Build longer Tables not higher borders.

Ein Kochbuch, dass an den Tisch der Solidarität einlädt, an eine Tafel, die Menschen sieht und ihre Diversität feiert.

Es ist das Menschlichste überhaupt, einer ertrinkenden Person die Hand zu reichen – daran sollten wir uns wieder erinnern. Seenotrettung wirkt aber oft abschreckend, zu kompliziert, zu schwer… Genau deshalb die Idee eines leichteren Einstiegs über das Essen und die daraus entstehende Wertschätzung und Gemeinschaft. Wir alle haben eine Verbindung zu Essen.

An Bord ist es eine Wertschätzung für verschiedene Kulturen. Rezepte werden von den Menschen an Bord gesammelt und zum Mittag- und Abendessen zubereitet. Während der Essensausgabe läuft Musik aus den unterschiedlichen Regionen. Die Crew und die Überlebenden essen gemeinsam.

Die Idee ist simple, Rezepte der Gäste/Überlebenden und der Crew werden gesammelt und dazu Geschichten erzählt, woran sie dieses Gericht erinnert.
Die Rezepte werden auf dem Schiff gekocht und abfotografiert.

Sea Watch 5 – Reis mit Linsen

Solidaritätseintopf

Zutaten:

1 Seenotrettungsschiff

28 Crewmitglieder

1 Klimaschutz

Gewürze:

Solidarität

Verbundenheit

Liebe

Wie eine Mahlzeit Vertrauen, Solidarität und Verbundenheit schafft

Das Essen auf dem Seenotrettungsschiff Humanity 1 ist ein Zeichen von Solidarität, Wertschätzung und Menschlichkeit.

Essen ist an Bord nicht einfach Versorgung. Es ist Überlebenshilfe, kulturelle Identität, Würde, Gemeinschaft und ein Stück Zuhause. Gerade für Menschen, die während ihrer Flucht monatelang Hunger, Gewalt und Unsicherheit erlebt haben, kann ein vertrautes Essen einen kleinen Moment von Normalität und Zugehörigkeit schaffen.

Das Schiff Humanity 1 ist im zentralen Mittelmeer aktiv und rettet Menschen aus Seenot. 

Auf dem Schiff gibt es eine 28-köpfige Crew, darunter die Brücke mit den Offizier:innen und dem:der Kapitän*in, den Ingeneur:innen, den Matros:innen, dazu kommt die Crew die für die Seenotrettung zuständig ist. Wie das Rettungsteam, das „Guest Care“ Team, welches sich, um die Geretteten kümmert, das medizinische Team, das Kommunikationsteam und das Küchenteam. 

Auf dem Schiff wird nur vegan gekocht, als Zeichen gegen die Klimakrise. Der Klimawandel ist ein Fluchtgrund, der in den nächsten Jahren noch viel mehr Menschen auf die Flucht zwingen wird. „Wir wollen nicht noch mehr dazu beitragen.“ Wurde bereits beim Bewerbungsgespräch klargestellt.

 

Rettung M 20 – Sea Watch 5
Zurück im Heimathafen – Sea Watch 5

Gemeinschaftsknödel

Zutaten:

1 Galley – Küche

2 Köch:innen

17 Seven Ocean Riegel

1 kulturelles Wissen

1 Playlist

Es gibt zwei Personen, die für das Essen an Bord zuständig sind. Die erste und zweite Köchin. Auf dieser Rotation waren es Simone als erster Koch und Jeanne als zweite Köchin. 

Teilweise sind die Menschen auf der Flucht tagelang ohne Lebensmittel und mit wenig bis gar keinem Trinkwasser unterwegs. Deshalb bekommen sie, bei ihrer Ankunft auf der Humanity 1 direkt „Seven Oceans“- Riegel, die einen sehr hohen Nährwert haben. Eine Packung (ca. 500 g) liefert etwa 2.300–2.500 Kalorien. 

Auch die Verpflegung nach der Rettung ist nicht zufällig. Die Mahlzeiten erfüllen bestimmte Anforderungen an Kalorien und Nährstoffe, welche über Frühstück, Mittag- und Abendessen verteilt werden.

„Leute denken oftmals, dass Menschen, die hungrig sind alles Essen. Das entspricht aber nicht der Wahrheit.“ Zeina, die kulturelle Mediatorin an Bord zeigt mit diesem Satz Vorurteile auf. In der Realität kann das Gegenteil der Fall sein. Wenn Menschen ein Gericht nicht kennen, bestimmte Gewürze nicht gewohnt sind oder die Kombination der Zutaten für sie fremd ist, wird teilweise sehr viel Essen weggeworfen.

Gleichzeitig gelten an Bord praktische Einschränkungen: begrenzter Stauraum, lange Rotationen, Wetterbedingungen und die Schwierigkeit, frische Lebensmittel über längere Zeit zu lagern.

Das Besondere ist deshalb, dass die Galley – so wird die Küche auf einem Schiff bezeichnet – ein Essen aus der Region kocht, aus der die geretteten Menschen stammen. Zur Essensverteilung schallt außerdem Musik aus derselben Region aus den Lautsprechern. Besonders wichtig ist, dass Crew und Überlebende dasselbe Essen bekommen und auch gemeinsam Essen. „Wir sitzen gemeinsam an einem Tisch, was super menschlich ist.“ unterstreicht Zeina. 

Die Köchinnen holen sich oftmals die Rezepte von den Geretteten. So hat es auch Jeanne, die zweite Köchin an Bord, gemacht.

Die zivile Seenotrettung ist da, um Solidarität mit den Menschen zu zeigen und Menschlichkeit dorthin zu bringen, wo die Politik versagt. Essen ist eine Art, wie auf dem Schiff Humanity 1 diese Wertschätzung zum Ausdruck kommt. 

„Für mich ist Essen ein Ausdruck von Liebe und Zuneigung. Essen spielt in der Kultur der meisten afrikanischen Länder eine zentrale Rolle. Es bringt die Familie zusammen, auf Feiern steht das Essen im Mittelpunkt, viele religiöse Feiertage werden mit einem Festmahl abgeschlossen.“, unterstreicht Zeina, die aus Ägypten stammt.

Auch wenn die Zeit auf dem Schiff ein Ausnahmezustand ist, entsteht eine Gemeinschaft zwischen Crew und Geretteten. Das bedeutet: Es wird gemeinsam gegessen, abgewaschen und zur Musik getanzt. Viele der Menschen wurden seit Jahren nicht mehr gefragt, was sie essen wollen. Auf dem Schiff können sie mitbestimmen.

Gäste gehen in Italien von Bord – Sea Watch 5
Guardia di Finanza, bewacht die Sea Watch 5 während die Menschen von Bord gehen.

Europäischer Krautsalat

Zutaten:

1 nicht funktionierende EU-Grenzpolitik

1 Ignoranz

1 Rassismus

1 sogenannte Libysche Küstenwache

unzählige Menschenrechtsverletzungen

Warum ist Essen so wichtig? – Nudeln mit Tomatensoße erinnern an Folter

„Am ersten Abend haben wir Nudeln mit Tomatensoße serviert, ein Großteil des Gerichtes blieb aber übrig und die Gesichter sprachen mehr als 1000 Worte. Später stellte sich heraus, dass dieses Gericht im libyschen Gefängnis serviert wurde.“  Berichtete Jeanne

Zeina ergänzt: „Oftmals bekommen Menschen in einem libyschen Gefängnis nur ein Stück Brot, manchmal mit Käse. Viele der Menschen berichten auch von Hunger als Foltermethode in diesen Gefängnissen. Oftmals haben wir Personen an Bord, die seit Monaten oder auch Jahren keine richtige Mahlzeit mehr zu sich genommen haben“

Diese Gefängnisse sind Teil des EU-finanzierten Kreislaufs, der in Libyen für Menschen auf der Flucht schreckliche Realität ist. Die sogenannte libysche Küstenwache fängt Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ab, verschleppt sie gewaltsam zurück nach Libyen und sperrt sie in Gefängnisse, in denen es täglich zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Sie werden gefoltert, die hygienischen Bedingungen führen zu Krankheiten, es kommt zu Vergewaltigungen und Sklaverei, und die Familien der gefangenen Menschen werden erpresst.

Es ist auch bekannt, dass konkurrierende, aber auch dieselben Milizengruppen, denen die sogenannte libysche Küstenwache angehört, die Menschen wieder auf die seeuntauglichen Boote setzen. Es gibt mehrere Berichte der UN, die diese Menschenrechtsverletzungen nachweisen, und trotzdem hält die Europäische Union die Kooperation mit Libyen aufrecht angeblich, um angeblich Schmugglernetzwerke zu schwächen, die Realität sieht aber anders aus. 

Es kommen also Menschen, die teilweise seit Jahren Gewalt und Diskriminierung erlebt haben, an Bord. Sie sind auf dem Weg in eine Europäische Union, die die Milizen finanziert, welche die Schläge austeilen und sie in Gefängnissen hungern ließen. Die erste Frage die an das Seenotrettungsteam gestellt wird ist immer. Seit ihr aus Libyen? Manche Menschen haben jegliches Vertrauen verloren, umso wichtiger ist es auf dem Boot diese Vertrauensbasis wieder aufzubauen. 

Auf den Weg in den sicheren Hafen. Sea Watch 5

Essensausgabe Sea-Watch 5

Küche Humanity 1

Macarona Béchamel

Zutaten:

1 l vegane Milch

70 g Magrine

30 g Mehl

500 g Makkaroni 

500 ml Tomatenpassata

wahlweise Soya- oder Erbesgranulat

Nudeln mit Tomatensoße und Béchamel geben ein Gefühl von Selbstbestimmung und Geborgenheit. Es erinnert an Freundschaft und Familie

Am zweiten Nachmittag saß Jeanne gemeinsam mit fünf der geretteten Menschen zusammen und sie schrieb Rezepte auf. Mustafa sprach von einer besonderen Zutat, eine weiße Soße, die es wahrscheinlich auf dem Schiff nicht geben wird. Nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass es sich um Béchamelsoße handelt. Das Gericht, welches er beschrieb, heißt Macarona Béchamel.

Jeanne und Simone entschieden sich, das Gericht zu kochen. Obwohl es auf den ersten Blick dem zuvor servierten Tomatensoßen-Gericht ähnelte, war die Reaktion diesmal völlig anders. Die Freude über das Essen war groß. Für Jeanne lag die Bedeutung dabei nicht nur im Geschmack: „Es ging gar nicht mehr so um das Essen oder den Geschmack an sich, sondern eher darum, dass ganz konkret auch Wünsche geäußert werden konnten. Es war unglaublich schön die Freude zu sehen.“

Die Macarona-Béchamel-Geschichte wurde für Jeanne zu einem Beispiel dafür, wie Essen durch Austausch gemeinsam entstehen kann. Die Geretteten konnten ihre Wünsche äußern, Rezepte teilen und damit Einfluss darauf nehmen, was gekocht wurde. 

Zubereitung und der Text werden mit einander vermischt.

Jeanne auf der Humanity 1 schreibt ein Rezept von Überlebenden auf
Macaroni Bechamel – Humanity 1

Portraits der Crew

Jeanne, zweite Köchin :

Für Jeanne, die als Köchin auf der Humanity 1 gearbeitet hat, ist Essen weit mehr als reine Versorgung. Es schafft Gemeinschaft, ermöglicht kulturellen Austausch und kann Menschen in einer Ausnahmesituation ein Stück Geborgenheit geben.

„Ich bin ungern einfach in der Küche und weiß gar nicht, für wen. Ich glaube, ich mag das gerne zu wissen, wer am Ende meine Gerichte isst. Für mich macht es total Sinn, das Essen als Medium zu nehmen, um gemeinsam in Kontakt zu kommen.“

Schlechtes Essen sorgt für schlechte Stimmung – Jeanne beschreibt Essen außerdem als etwas, das dem Alltag Struktur gibt. Gerade auf einem Schiff, auf dem Menschen unter extremen Bedingungen zusammenleben, sind regelmäßige Mahlzeiten ein wichtiger Rhythmus. Wenn genug Essen vorhanden ist, es schmeckt und alle satt werden, können sich die Menschen wieder anderen Dingen widmen. Es ist auch ein Stimmungsparameter.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Essensausgabe mit Musik. Die Musik habe eine heitere Stimmung erzeugt und den Moment des gemeinsamen Essens zu etwas Besonderem gemacht. Auch die Reaktionen der Kinder auf die Gerichte sind ihr im Gedächtnis geblieben. Sie beobachtete, wie Kinder Gerichte mit stark gewürztem Reis begeistert aßen, obwohl sie solche Speisen aus ihrem eigenen kulturellen Umfeld eher mit Erwachsenen verbunden hätte.

Jeannes Verständnis vom Kochen beschränkt sich nicht auf die Humanity 1. Sie kocht auch für große Gruppen, Demonstrationen, Klimacamps, Kinderferienlager und in Camps für Menschen auf der Flucht. Dabei geht es ihr immer wieder um die Verbindung von Kochen und Gemeinschaft. Kochen bedeutet für sie, Menschen zusammenzubringen, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und einen Raum zu schaffen, in dem Begegnung möglich wird. Die Küche wird damit zu einem sozialen Ort – und Essen zu einem Medium des Austauschs.

Jeanne – Köchin auf der Humanity 1
Jeanne – Köchin auf der Humanity 1

Zeina, kulturelle Mediatorin bei SOS Humanity

Zeina arbeitet seit drei Jahren in der Seenotrettung und ist an Bord der Humanity 1 als kulturelle Mediatorin tätig. Ihre Aufgabe geht weit über das Übersetzen von Sprache hinaus. Sie begleitet die Geretteten während und nach der Rettung, unterstützt bei medizinischen Gesprächen, bei der psychologischen Betreuung und beim Sammeln von Zeugnissen über Libyen. 

Dabei versteht sie ihre Rolle als Verbindung zwischen den Geretteten und der Crew. In ihrer Arbeit geht es nicht nur darum, verschiedene Sprachen zu übersetzen, sondern auch kulturelle Unterschiede zu verstehen und zu berücksichtigen.

Gerade bei sensiblen Themen wie sexualisierter Gewalt, Menschenhandel, Genitalverstümmelung oder geschlechtsspezifischer Gewalt sei es wichtig zu wissen, aus welchem kulturellen und sozialen Umfeld die Menschen kommen. Nur so könne man eine angemessene und respektvolle Betreuung ermöglichen.

Diese kulturelle Vermittlung spielt auch beim Essen eine wichtige Rolle. Zeina beschreibt Essen insbesondere in Ägypten und in der ganz Südwestasien und Nordafrika als eine Form von Zuneigung und Gemeinschaft. 

Zeinas Lieblingsessen ist Mahshi – gefüllte Weinblätter: „Für das Rezept müsst ihr aber meine Oma fragen.“ 

Zeina, kulturelle Mediatorin Humanity 1

Mustafa 

Die Frage warum Menschen aus Ägypten, einem sogenannten sicheren Drittstaat, nach Europa kommen wird häufig gestellt. Kein Krieg, keine offensichtliche Hungersnot. Mustafa hat erzählt warum er über die gefährlichste Fluchtroute der Welt flüchten musste. 

Er erzählte Helmut dem Psychologen an Bord, dass er als ältester Sohn an der Reihe war „gut“ zu heiraten um seine Familie zu erhalten. Da die Familie aus der er kommt recht groß ist, muss er eine bestimmte Geldsumme aufbringen die für die geforderte Hochzeit notwendig ist. Die dafür notwendigen Mittel konnte er mit seiner Arbeit als Tischler und Fliesenleger nicht aufbringen, weshalb er von der Familie nach Libyen geschickt wurde um dort als Gastarbeiter die erforderliche Mitgift zu erwirtschaften. In Libyen angekommen, fand er auch rasch eine Wohnmöglichkeit und Arbeit. Der „Arbeitsvermittler“ nimmt ihm zunächst den Reisepass ab, quartiert ihn in einem menschenunwürdigen Quartier ein und fordert eine sehr hohe Aufwandsentschädigung, sowie eine Vorauszahlung der Miete. Eine nicht unübliche Praxis um arbeitssuchende Menschen in Zwangsarbeit zu treiben und diese unter sklavenähnlichen Bedingungen auszubeuten. Mustafa berichtet: „Wenn man in Libyen ohne gültige Papiere auf der Strauße aufgegriffen wird, können Sie einem ins Gefängnis stecken. Er wurde selbst mehrmals inhaftiert. Dort haben sie mich gefoltert.“ Er hat massive Misshandlungen erlebt. Es gelang ihm die Flucht und er versuchte sich erfolglos übers Mittelmeer nach Europa abzusetzen. Auf dem offenen Meer wurde er von der sogenannten libyschen Küstenwache aufgegriffen und in ein geschlossenes Lager verschleppt, in dem er abermals gefoltert wurde. Er zeigte Narben, die von Misshandlungen herrührten und berichtete über absolut menschenverachtende Gräueltaten die er erleben und beobachten musste.

Er berichtete zudem eindrücklich über die Zusammenarbeit der sogenannten libyschen Küstenwache mit diversen Schmugglerringen und über die Methoden, mit denen Menschen in einem grausamen Kreislauf aus Zwangsarbeit, Prostitution, Erpressung, Folter und Versklavung gefangen und gnadenlos ausgebeutet werden. Die einzige Möglichkeit diesem Kreislauf zu entkommen, sah Mustafa in der Flucht nach Europa. 

Seine Geschichte zeigt eindrücklich, wie die EU-Kooperation mit Libyen sogar Menschen zur Flucht zwingt, anstatt Fluchtursachen zu bekämpfen. Migration wurde zu einem lukrativen Geschäft. Aus einer Arbeitsmigration wurde eine Form der Ausbeutung, Sklaverei und Folter. Aus dem Wunsch zu Heiraten wurde eine Angst ums eigene Leben, mit keinem anderem Ausweg als die lebensgefährliche Überfahrt über das offene Meer nach Europa. Ursula von der Leyen sagte zur Kooperation mit Libyen: „Wir wollen zusammenarbeiten, um Schmugglernetzwerke zu entkräften.“ Genau das Gegenteil ist der Fall. 

Auf den Weg zum sicheren Hafen – Humanity 1

Rezepte + kurze Einordnung

Macarona Béchamel

„Macarona Bechamel erinnert mich an Zuhause, an meine Familie und Freunde, an ein Leben vor Libyen.“ Sagt Mustafa- Sein Spitzname auf dem Schiff wurde Mustafa Macaroni

Zu den Ursprüngen der berühmten ägyptischen „Macarona Béchamel“: Höchstwahrscheinlich wurde sie erstmals in Ägypten von französischen Köchen zubereitet, die Mitte des 19. Jahrhunderts eingeladen wurden, um in den Küchen khedivialer Paläste und Luxushotels zu kochen. Diese Köche begannen, Kochbücher zu veröffentlichen. Ein solches, 1932 veröffentlichtes Kochbuch enthält ein Rezept für „Macarona ala al-tariqa al-yunaniyya“, also „Makaroni auf griechische Art“. Die griechische Art stammt wohl von der griechischen Community, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Ägypten lebte.

Maccroni Béchamel gekocht auf der Humanity 1

Mujadara

Das Gericht stammt aus der arabischen Welt, und seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Heute wird es am stärksten mit der levantinischen Region, also Libanon, Syrien, Palästina und Jordanien, in Verbindung gebracht. In einem Kochbuch aus dem Jahr 1226 wurde dieses Linsengericht zum ersten Mal als „Mujadara“ bezeichnet.

Mujadara gekocht auf der Humanity 1

Porridge oder Asida?

Während in der westlichen Welt mit Porridge meist der Haferflockenbrei zum Frühstück gemeint ist, wird ein entsprechendes Gericht im Sudan als Asida bezeichnet. Der sudanesische Brei besteht üblicherweise aus Mais- oder Weizenmehl und Wasser, mit Salz nach Geschmack.

Als Jeanne zum Frühstück Porridge angepriesen hat, hatten zwei Kulturen unterschiedliche Bilder im Kopf. Als zum Porridge dann auch noch ein Fruchtsalat auf dem Tisch stand, waren die Blicke noch verwirrter, da Asida eher eine salzige Mahlzeit ist.

Es haben sich aber trotzdem viele darauf eingelassen und diesen Haferschleim gekostet.

„Für mich ist Porridge ein Gericht, das ich koche, wenn viele Menschen zusammenkommen“, erklärte Jeanne, bevor es serviert wurde.

Essen als kultureller Austausch.

Before Disembarkation – Humanity 1

error: Content is protected !!